Kontaktlinsen: High-Tech im Mini-Format

Kontaktlinsen: High-Tech im Mini-Format

Seit Kurzem könnt ihr selbsttönende Kontaktlinsen kaufen. Allerdings vorerst nur, wenn ihr euch links des Atlantik aufhaltet, in den USA. Aber es wird sicher nicht lange dauern, bis es die Linsen auch bei uns gibt.

Selbsttönende Kontaktlinsen funktionieren im Prinzip so wie selbsttönende Brillengläser: Je intensiver die Sonneneinstrahlung ist, desto dunkler werden die Linsen und sorgen dafür, dass ihr euch nicht geblendet fühlt.

Eine kleine Neuigkeit, die bei mir mal wieder großes Staunen auslöst. Wie immer, wenn sich auf kleinstem Raum eine ausgeklügelte Technologie versteckt. Ich werde nie begreifen, wie ein Computer in meine Hosentasche passt, dessen Rechenleistung die meines Riesencomputers aus Kindertagen millionenfach übersteigt.

Auch Kontaktlinsen sind mit den Jahren immer leistungsfähiger geworden. Effekte, die zunächst nur in große, dicke Brillengläser integriert werden konnten, lassen sich heute mit den kleinen Linsen erzeugen - und das für Außenstehende meist unsichtbar.

Kontaktlinsen können eine Hornhautverkrümmung ausgleichen.

Eine Hornhautverkrümmung gibt es oft zur Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit gratis mit dazu. Glücklicherweise gibt es für diesen Fall passende Kontaktlinsen, so genannte torische Kontaktlinsen. Sie sind so geformt, dass sie die Hornhautverkrümmung ausgleichen. Wichtig ist dabei, dass sie genau an der richtigen Stelle auf dem Auge sitzen. Dies wird durch integrierte Stabilisationszonen erreicht oder eine dem Auge angepasste Dickenvariation der Linse.

Auch bei torischen Kontaktlinsen gibt es die fertige, standardisierte Variante für bestimmte Werte der Hornhautverkrümmung. Bei besonderer Ausprägung der Verkrümmung können aber auch individuelle Kontaktlinsen angepasst werden. Bei diesen entspricht die Rückseite der Linsen quasi einem Hornhautabdruck. Ihr kennt das vielleicht noch von der Zahnspange. Die war aber - zum Leidwesen der damals 13-jährigen Katja - alles andere als unsichtbar.

Kontaktlinsen können eure Sehschwäche im Schlaf verschwinden lassen.

Kein Scherz. Es gibt spezielle harte Kontaktlinsen (oder: formstabile Linsen), die nur während des Schlafens getragen werden. Sie sind so konstruiert, dass sie die Hornhaut des Auges durch leichten Druck verformen, sodass ihr tagsüber ganz normal sehen könnt. Schon nach der ersten Nacht mit diesen orthokeratologischen Kontaktlinsen (kurz: Ortho-K-Linsen) wird eine Kurzsichtigkeit um bis zu 70 Prozent verringert.

Orthokeratologische Kontaktlinsen

Der volle Effekt tritt nach etwa drei Nächten ein, vorausgesetzt, ihr tragt die Linsen jede Nacht. Anfangs lässt die Sehkraft noch spürbar nach, je weiter der Tag voranschreitet. Nach etwa einem Monat mit Ortho-K-Linsen hält die Sehleistung am Tag aber locker 16 Stunden an und ihr braucht keine Ersatzbrille oder Ersatzkontaktlinsen mehr.

Kontaktlinsen können eure Augenfarbe verändern.

Bei farbigen Kontaktlinsen wird die Farbe entweder auf die Oberfläche gedruckt oder - bei den hochwertigeren Varianten - in das Material eingebettet.

Seid ihr glücklich mit eurer Augenfarbe und möchtet sie nur ein wenig intensivieren, könnt ihr farbverstärkende Kontaktlinsen nutzen. Diese gibt es in verschiedenen leichten Farbtönungen.

Wollt ihr eine ganz andere Augenfarbe haben, braucht ihr farbverändernde Kontaktlinsen. Diese sind mit einer deckenden Farbschicht bedruckt, die sich über eure Iris legt. In der Mitte verfügen sie über einen kleinen Bereich, der nicht gefärbt ist, sodass ihr ganz normal sehen könnt. Einschränkungen gibt es lediglich bei schwachen Lichtverhältnissen. Hier weitet sich die Pupille, sodass die kleine Sehöffnung nicht mehr ausreicht und die Farbschicht das Sehen beeinträchtigen kann. Zum Autofahren bei Dämmerung oder nachts sind Farblinsen daher nicht geeignet.

Farbige Kontaktlinsen

Kontaktlinsen haben einen eingebauten UV-Filter

Gerade jetzt, zur Frühlingszeit, rückt das Thema „Sonnenschutz“ wieder auf den Plan. Gut zu wissen, dass viele Kontaktlinsen bereits einen eingebauten UV-Filter haben und bis zu 90 Prozent der UV-A-Strahlen und sogar bis zu 99 Prozent der UV-B-Strahlen filtern. Da Kontaktlinsen aber immer nur einen Teil des Auges abdecken, solltet ihr bei intensiver Sonnenstrahlung immer eine Sonnenbrille dabei haben. Das gilt übrigens auch bei selbsttönenden Kontaktlinsen.

Sonnenbrille

Ich beobachte weiter gespannt, was sich so tut in puncto High-Tech auf dem Auge. Zu Beginn des Jahres kam bereits die Nachricht, dass Forscher eine Kontaktlinse für Diabetiker entwickelt haben, die nicht nur den Blutzuckerwert misst, sondern auch mit eingebautem LED-Licht eine Warnung sendet, wenn der Wert zu hoch ist.

Sollte mich nicht wundern, wenn mein beeindruckend kleiner Hochleistungsrechner eines Tages auch von der Hosentasche direkt ins Auge wandert.