Kontaktlinsen in Zeiten von Corona: Schutzschild oder Infektionsquelle?

Kontaktlinsen in Zeiten von Corona: Schutzschild oder Infektionsquelle?

Das Corona-Virus treibt sich rum und uns weiter um. Und viele Menschen, die Kontaktlinsen tragen, fragen sich, ob sie durch die Linsen ein höheres Risiko haben, sich anzustecken. Gleichzeitig merken Brillenträger, dass ihre Sehhilfe ganz neue Herausforderungen mit sich bringt, etwa wenn sie in Kombination mit der Mundschutzmaske ständig beschlägt. Der eine oder die andere spielt mit dem Gedanken, sich Kontaktlinsen zuzulegen. Ist das sinnvoll? Was schützt besser vor dem Corona-Virus – Brille oder Kontaktlinse? Oder keine von beiden? Und was könnt ihr aktiv tun, um das Risiko einer Ansteckung gering zu halten? Wir haben die häufigsten Fragen rund um Kontaktlinsen und Corona für euch zusammengestellt und versuchen diese bestmöglich, heisst nach aktuellem Erkenntnisstand, zu beantworten.

Kann man sich über die Augen mit dem Corona-Virus infizieren?

Theoretisch ist das möglich. Hustet oder niest eine infizierte Person in unmittelbarer Nähe und gelangen Corona-Viren darüber in eure Tränenflüssigkeit, können sie von dort aus in den Nasen-Rachenraum wandern. Auch eine Schmierinfektion ist möglich, wenn ihr euch mit ungewaschenen Händen am Auge reibt. Abstandhalten und gründliches Händewaschen sind daher sinnvolle Massnahmen, um sich vor einer Ansteckung über das Auge zu schützen.

Erhöht Kontaktlinsentragen das Risiko, dass sich Viren im Auge verbreiten?

Nach aktuellem Erkenntnisstand seid ihr als Träger*innen von Kontaktlinsen nicht stärker gefährdet als andere, vorausgesetzt natürlich, ihr geht vernünftig mit euren Kontaktlinsen um und haltet euch an die Hygieneregeln. Das heisst:

  • Tragt eure Kontaktlinsen nicht länger als nötig und gönnt euren Augen regelmässige Linsenpausen. Nutzt zu Hause eure Ersatzbrille.
  • Reinigt eure Kontaktlinsen nach jedem Tragen gründlich. Reibt sie ab, spült sie ab und legt sie ausreichend lange in eine auf eure Linsen abgestimmte Pflegelösung mit desinfizierender Wirkung. Haltet euch dabei unbedingt an die Mindestdauer, die es braucht, damit die Linsen vollständig desinfiziert sind. Diese ist auf der Packung der Reinigungslösung angegeben.
  • Wascht euch vor dem Auf- und Absetzen gründlich die Hände, heisst mit Seife und ausreichend lange (20 Sekunden pro Hand).

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Mein Optiker hat nach wie vor geschlossen. Kann ich mir für die Corona-Zeit Kontaktlinsen aus dem Netz bestellen?

Jein. Entscheidend ist, dass ihr nur genau die Kontaktlinsen nachkauft, die euer Optiker oder eure Optikerin euch angepasst hat. Sowohl das Material als auch die Grösse und die Passform müssen exakt stimmen, damit die Linsen richtig auf euren Augen sitzen.

Nur gut angepasste Kontaktlinsen sind ein wirksamer Schutz vor einer Schmierinfektion.

Kauft ihr auf gut Glück Linsen, zum Beispiel im Netz, kann es passieren, dass Material, Größe und Passform nicht dem entsprechen, was eure Augen brauchen. Neben den zunächst nicht spürbaren Schädigungen, die das verursachen kann, sind die deutlich spürbaren Beeinträchtigungen momentan besonders relevant. Denn Linsen, die verrutschen oder zwicken, führen dazu, dass ihr euch (bewusst oder unbewusst) ans Auge fasst - und erhöhen so das Risiko einer Schmierinfektion.

Mehr noch: Bei der Kontaktlinsenanpassung bekommt ihr nicht nur die richtigen Linsen, sondern auch das richtige Pflegemittel, also eines, das optimal auf eure Augen und eure Linsen abgestimmt ist. Nur so habt ihr Sicherheit, dass eure Kontaktlinsen bestmöglich von Keimen befreit werden, wenn sie nach dem Tragen in der Lösung lagern.

Viele Optiker bieten auch bei geschlossenem Geschäft eine telefonische Beratung an. Versucht es auf diesem Wege, bevor ihr euch vorschnell Kontaktlinsen oder Pflegemittel aus dem Netz oder der nächsten Drogerie holt.

Vertragen sich Kontaktlinsen und Hände-Desinfektionsmittel?

Virentötende Desinfektionsmittel für die Hände sind mitunter ziemlich aggressiv. Das merkt ihr allein daran, dass eure Hände bei der Anwendung brennen. Umso wichtiger ist es, dass diese Mittel nicht in Kontakt mit den Augen oder Kontaktlinsen kommen. Achtet darauf, dass das Desinfektionsmittel vollständig eingezogen ist, bevor ihr wieder mit euren Kontaktlinsen hantiert. Bekommt ihr versehentlich doch Desinfektion auf die Linsen, setzt sie umgehend ab und reinigt sie gründlich, nachdem ihr euch die Hände mit Seife gewaschen habt. Brennende Augen solltet ihr einige Minuten mit kaltem Leitungswasser ausspülen. Wartet anschliessend, bis sich eure Augen wieder beruhigt haben und setzt erst dann wieder die Linsen auf. Bei anhaltenden Beschwerden müssen die Linsen draussen bleiben und es hilft nur der Gang zum Augenarzt oder zur Augenärztin. Allgemein gilt: Desinfektionsmittel für die Hände ersetzt nicht gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife.

Wirken Kontaktlinsen und Brille vielleicht sogar als Barriere gegen Corona-Viren?

Für Kontaktlinsen gilt das nicht, da sie direkten Kontakt zur Tränenflüssigkeit haben. Eine Brille wiederum kann durchaus bedingt als "Schutzschild" gegen Corona-Viren wirken, etwa, wenn sie umherfliegende Tröpfchen vom Auge abhält. Voraussetzung ist aber auch hier, dass sie nach dem Tragen gründlich gereinigt wird, heisst, mit Wasser und Spülmittel. Gerade jetzt, in der Frühlingszeit, schützt eine Sonnenbrille eure Augen ohnehin vor dem schädlichen UV-Licht der Sonne, aber auch vor Blendung und in geringem Masse auch vor herumfliegenden Pollen, Dingen also, die eure Augen reizen und zum Griff ins Gesicht verleiten.

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Übrigens: Viel Bewegung, Sonnenlicht und frische Luft tun eurem Körper gut und stärken euer Immunsystem, was im Fall einer Ansteckung äusserst wichtig wird. Gerade bei sportlichen Aktivitäten sind Kontaktlinsen für viele die Sehhelfer der Wahl. Also wascht euch die Hände, schnappt euch Linsen und Sonnenbrille und tut eurem Körper etwas Gutes. Das macht gesund und glücklich - und damit stark gegen das Virus.